Partnerschaft

Warum jeder Streit mit deinem Partner ein Geschenk für dich ist

Streit als Geschenk

Streit als Geschenk

 

 

Streit als Geschenk – das klingt vielleicht im ersten Moment komisch.

Aber seien wir mal ehrlich, es gibt keine Beziehung ohne Meinungsverschiedenheiten oder größere Diskussionen. Die Frage ist nur, wie du damit umgehst: Wird jeder Streit als schlechtes Zeichen für die Beziehung wahrgenommen, oder führt er zu gemeinsamem und individuellem Wachstum?

 

Warum entsteht Streit in einer Beziehung?

Wenn du mit einer (oder mehreren) Person zusammen bist und viel Zeit mit ihr verbringst, ist diese Person der größte Spiegel in deinem Leben. Jeder dem du begegnest ist ein Spiegel für dich, aber je mehr Zeit du mit jemandem verbringst, desto deutlicher wird das Spiegelbild.

 

Wenn dein Partner etwas tut, was dich verletzt, dann spiegelt dir diese Situation, dass du etwas Ungeklärtes in deinem Inneren trägst, was angeschaut werden möchte. Leider verstehen das viele Leute nicht und lenken ihre ganze Emotion – das verletzt sein wird dann als Wut ausgedrückt – auf ihren Partner und machen ihm Vorwürfe für sein Verhalten.

 

Nehmen wir ein Beispiel: Dein Partner ist mit Freunden unterwegs und ihr habt keine Zeit ausgemacht, wann er zurückkommt. Zuerst bist du noch total entspannt – je später es wird, desto mehr ärgerst du dich aber darüber, dass er nicht wenigstens kurz bescheid sagen kann wo er steckt und wann er vorhat nach Hause zu kommen.

 

In dieser Situation hast du zwei Möglichkeiten:

1. Du kannst wütend da sitzen, auf dein Handy schauen und dir ausmalen, was du ihm alles an den Kopf werfen möchtest, wenn er endlich mal auftaucht. Du kannst dir Argumente überlegen, die sein Verhalten als rücksichtslos und gemein darstellen und dich selbst darin bestärken, im Recht zu sein.

Diese Option lenkt all deine Energie nach außen – auf deinen Partner und sein Verhalten – und gießt Öl in das Feuer, was euch voneinander trennt. Wenn du deinem Partner mit dieser Energie begegnest, wird das wahrscheinlich eine ähnliche Reaktion in ihm hervorrufen und die Situation endet in gegenseitigen Vorwürfen, Rechthaberei, innerem Rückzug vom anderen und Zweifeln an der Beziehung.

 

2. Du kannst dein Handy zur Seite legen, alle anderen Ablenkungen wie Computer, Fernseher, Bücher oder Essen ebenfalls gehen lassen und dich an einen ruhigen Platz setzen oder legen. Du kannst die Augen schließen und die Emotion, die dich so in Aufruhr versetzt, erstmal wahrnehmen.

Akzeptiere, dass sie gerade da ist. Wo in deinem Körper kannst du sie fühlen? Vielleicht möchtest du deine Hände auf diese Stelle legen.

 

Lass die Augen geschlossen und fühle genauer hin. Achte darauf, welche Gedanken dir durch den Kopf gehen – aber halte dich nicht an den Gedanken fest. Lass sie einfach weiterziehen und konzentriere dich nur auf die Emotion.

Verurteile dich nicht dafür, dass die Emotion da ist. Und verurteile nicht deinen Partner dafür, dass er sie ausgelöst hat. Es ist deine Emotion, sie ist so oder so in dir und dass das Verhalten deines Partners sie getriggert hat, hat nichts mit ihm zu tun. Er ist nur derjenige, der dir den Spiegel vorhält, in dem du sehen kannst, dass diese – vermutlich seit langem aufgestaute – Emotion in dir ist.

 

In den Spiegel schauen ist oft nicht so angenehm, weil man sich der Wahrheit stellen muss. Und wer möchte schon gerne seine Schwachstellen sehen? Das Gute daran ist aber, dass du alleine durch das Hinschauen diese sogenannten Schwachstellen auflösen kannst und sie dadurch zu deiner Stärke werden.

Mit dieser Option lenkst du all deine Energie nach innen und übernimmst selbst die Verantwortung für dich, deine Emotionen und die ganze Situation. Und derjenige, der die Verantwortung hat, hat auch die Macht: Die Macht, die Situation zu verändern.

 

Wenn du deinem Partner mit dieser Energie begegnest – ihm also nicht die Schuld für deine Emotion gibst, sondern ihm einfach mitteilst, dass sein Verhalten etwas Bestimmtes in dir ausgelöst hat – führt das wahrscheinlich eher dazu, dass er auch bereit ist, in sein Inneres bzw. seinen Spiegel zu schauen und die Situation endet in individuellem und gemeinsamem Wachstum und Stärkung der Beziehung.

Oder anders gesagt: Stelle nicht die Erwartung an deinen Partner, deine Emotionen wieder ‚in Ordnung‘ zu bringen oder sich dafür zu entschuldigen, dass er dich getriggert hat. Nur du allein kannst deinen inneren Frieden herstellen, dafür brauchst du keine andere Person.

 

Das bedeutet nicht, dass du ab jetzt jedes Verhalten anderer Menschen einfach hinnehmen und immer nur die Ursache bei dir selbst suchen sollst!

Aber allein die Bereitschaft, in Momenten in denen du stark getriggert wirst, nach innen statt nach außen zu schauen, wird dein Leben bereichern.

 

Jedes Mal wenn jemand eine Emotion in dir hervorruft, kannst du dich fragen: Was fühle ich gerade? Was am Verhalten des anderen hat dieses Gefühl ausgelöst? Und warum genau triggert dich das so sehr?

Wenn du jede dieser Situationen als Geschenk betrachtest, das dich ein Stück näher zu dir selbst bringt, wirst du bald merken wie sich dein ganzes Leben verändert.

 

Schreibe uns gerne deine Meinung und Fragen unten in die Kommentare!

 

 

 

 

Titelbild: Fernando Brasil

 

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